2016 Das Projekt ist beendet.
Drei Glasmalerei-Nachbildungen im Kreuzgang des ehemaligen Klosters Rathausen

Ausgangslage

Der private  Kulturclub Luzern lässt im Zusammenhang mit der Renovation der ehemaligen Klosteranlage Rathausen
drei Glasmalerei-Nachbildungen, welche  sich  im Kreuzgang  des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters befanden, herstellen.
 
Die Anfänge  des Zisterzienserinnenklosters Rathausen  gehen  ins 13. Jahrhundert zurück.  1588 bis  1592 erfolgte ein grösserer Umbau  der Klosteranlage. Die Glasmalerei, die sich  heute im Landesmuseum Zürich  befinden, gelangten kurz danach in den Kreuzgang.  
Nach der Aufhebung des Klosters  1848 diente  die Anlage u.a. als Lehrerseminar, als Quartier  für die Bourbaki-Soldaten. als Pockenspital und zwischen  1882 und 1989 als Erziehungsanstalt und Kinderheim. 1903 zerstörte  ein Feuer grosseTeile der ehemaligen Klosteranlage. Erhalten  blieben  ein Teil der Mauern und der Kreuzgang  von 1592. Nach  dem Brandereignis wurde  das Kinderheim  unter Weiterverwendung der massiven  Bausubstanz des einstigen Konvents wieder aufgebaut. Beim aktuellen  Umbau  geht  das Restaurierungskonzept grundsätzlich vom baulichen Zustand  ab dem Wiederaufbau aus.

Projektidee

Vor diesem Hintergrund sind nun drei Nachbildungen in Auftrag gegeben worden. Die Glasmalerei wird im Kreuzgang vis-à-vis beim Eingang der Kirche angebracht. Mit der Realisierung wurde das Luzerner Glasmalereiatelier Christoph Stooss beauftragt, mit dem der Private Kulturclub Luzern einen Werkvertrag abgeschlossen hat.
 
skizzeSkizze und Anmerkung von Christoph Stooss:

"Die Ausführung dieser Arbeit verlangt verschiedene Kompetenzen. Schlussendlich wird es ein Gemeinschaftswerk meines Ateliers.

Sicher liegt ein grosser Teil bei mir selber. Das wird besonders für die erste Glasmalerei gelten. Malschichtenaufbau untersuchen, Kontur- und Halbtonmalerei festlegen, Herausarbeiten der Lichter, Silbergelb- und Emailauftrag, Brennvorgänge perfektionieren.

Zunehmend werden meine Mitarbeiter Glasmalerin Sandra Wanner und Glasmaler Tobias Sziraki selbständig daran arbeiten."
Karte
 
 
 
Apothekerschrank in der Glasmalerei
Über 100jährige Farbpulver stehen neben jüngeren Glasmalfarben. Früher gehörte als Flussmittel auch Arsen dazu… Mit den Grisaille-Farben werden die feinen Zeichnungen übertragen: Gesichter, Kleidung, Architektur, Landschaften. Rückseitig wird silbergelb und Email hinterlegt. Die Farben sind nach dem Brennen bei 580 ° fest mit dem Trägerglas verschmolzen.
 
 
Die einzelnen Gläser fasst man nach dem Brand mit Blei zusammen. Aus diesem Grunde werden ganz genaue Papierschablonen geschnitten, um den Bleiprofilen Raum zu schaffen.
 
 
Nach diesen Schablonen, pro Glasmalerei sind das 90 bis 100 Einzelteile, schneidet Tobias Sziraki die Gläser mit dem Stahlrad oder Diamanten zu. Den letzten „Schliff“ erhalten die Einzelteile an der Kröselmaschine.
 
 
Sandra Wanner hat eine Palette mit Grisaille-Farben vorbereitet. Im nächsten Arbeitsschritt überträgt sie die feinen Konturzeichnungen auf das Glas, genau so wie es schon in der Übersetzung von Glasmalers Peter le Vieil 1780 über die Malschichten des 15 JH. Steht: „Erste Manier, die Glasmalerei zu traktieren.“
2-3 Tage muss die Kontur total durchtrocknen damit sie, ohne sich aufzulösen, mit der wässrigen Halbtonbemalung überzogen werden kann. Mit dem Schweinsborstenpinsel, Gänsekiel oder Stahlnadel werden nun Lichter aus dem Halbton herausgearbeitet.
 
 
Sandra Wanner bereinigt mit der Gänsefeder die Konturbemalung.
Viele Details müssen besprochen werden: Wie sind die Farben der Fotos im Vergleich zu den originalen Glasmalereien im Landesmuseum, welche Sprünge im Original müssen auch in der Nachbildung sein, wie sind die Brandmuster zu beurteilen.
 
 
Links: Christoph Stooss diskutiert mit den beiden Glasmalern das weitere Vorgehen.
Rechts: Das Glasbild „Baum der Erkenntnis“ in den verschiedenen Bearbeitungsstufen.
 
 

Um innerhalb eines Glasstückes verschiedene Farben zu erhalten, gibt es verschiedene Techniken. Eine davon ist die Verwendung von „Überfangglas": Ein weisses Glas ist mit einer dünnen Farbschicht aus Glas überfangen.
Je nach Bedarf wurden früher diese dünnen Farbschichten mühsam mechanisch weggeschliffen. Heute werden die Partien, die die Farbe behalten sollen, mit einer Folie geschützt. Im Säurebad werden die übrigen Flächen vom Überfang freigelegt.

 
 

Flusssäure ist die zweitstärkste Säure überhaupt und vermag Glas aufzulösen.
Schutzmassnahmen und Vorsicht sind höchstes Gebot! Die Glasmalerin überwacht den Arbeitsvortschritt ohne Unterbruch.

 
 

Eine weitere wichtige Möglichkeit, innerhalb eines Glasstückes mehrere Farben zu erhalten, ist der Auftrag von Emaillen. Diese tiefschmelzenden Farben werden rückseitig hinterlegt. Sie verstärken den malerischen Schmelz der Renaissance-Glasmalerei.

 
 

Die Schrift wird vorgeschrieben oder nach einer Vorlage auf das Glas übertragen.
Das Silbergelb ist aus der „Schweizer Glasmalerei“ nicht wegzudenken. Das Silbergelb ist die einzige Farbe die in das Trägerglas eindringt (Diffusionsfarbe) und, nach dem Brand, hochtransparent ist.

 
 

Auf die Brennofenplatte wird ein totgebranntes Keramikfaserpapier gelegt. Darüber abgezogen, um möglichst Druckstellen beim Brand vorzubeugen, eine feine Schicht Gips.

 
 

In einem früheren Arbeitsgang wurden Reinblei und Reinzinn geschmolzen und im richtigen Verhältnis legiert
und anschliessend Bleirohlinge gegossen.
Marlies Stoss zieht mit dem Bleizug das Fertigblei, ein H-Profil, das mit seinen Flanschen die einzelnen Gläser fasst.

 
 

Tobias Sziraki verbindet die einzelnen Gläser mit Bleiprofilen zu einem ganzen Glasbild,
dabei können knifflige Situationen entstehen.

 
 

Stück für Stück wird zusammen gefügt. Die lose zusammengesteckten Gläser und Bleiprofile
werden mit Zinn zusammengelötet.

 
 

Nach der sorgfältigen Reinigung ist die Glasmalerei einsatzbereit.

 
 

Die Metallrahmen sind vom Schlosser Beat Lussi präzisse auf die einzelnen Steingewände angepasst worden.
Jetzt kann die Beleuchtung von Christian Deuber fertig montiert werden.

 
 

Zum Abschluss wird die Kittfuge zum Metallrahmen nochmals kontrolliert, die Beleuchtung eingeschaltet
um den Bereich der massiven äusseren Kämpfer der Holzfenster aufzuhellen.

 
 

Am 12. November 2016 sind die Glasmalereien vom Privaten Kulturclub Luzern der Stiftung SSBL offiziell übergeben worden.

 
 

Auch die Glasmaler sind mit den Nachbildungen und der Wirkung vor Ort zufrieden
von links nach rechts: Sandra Wanner, Christoph Stooss, Marlies Stooss, Tobias Sziraki

 
 
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